Anfänger-Stilltips
Grundsätzlich: Vertrau auf deinen Körper und deinen Instinkt und stille dein Baby so, wie es gestillt werden will! Geh unbelastet ans Stillen ran und nimm dir dafür viel Ruhe und Gelassenheit! Dein Körper ist dafür ausgerichtet, zu stillen, und mit ein bisschen Geduld und Willen kann es eigentlich jede Frau. Wenn es scheitert, liegt es meistens daran, dass die nötige Hilfe gefehlt hat. Aller Anfang ist – manchmal – schwer, da Stillen eine Sache ist, die sowohl Mutter als auch das Baby erst lernen müssen, nach ein paar Wochen wird sich alles einpendeln und dann zeigt sich der immense Vorteil des Stillens, neben dem Fakt, dass es einfach das gesündeste und beste ist, was du deinem Baby geben kannst! Durchs Stillen wird übrigens nicht nur der Hunger nach Nahrung gestillt, sondern auch nach Zuwendung und Zärtlichkeit.
Fläschchen füttern ist nicht nur sehr viel teurer, sondern auch viel umständlicher und zeitraubend durchs Wasser kochen+abfüllen+Flaschen abwaschen+sterilisieren+zubereiten, mitschleppen von Thermoskannen für unterwegs, Depressionen durch frühes Abstillen und Selbstvorwürfe bei jeder Krankheit des Kindes. Flaschenmilch ist NICHT gleichwertig mit Muttermilch, da keine Abwehrstoffe ua. drin sind, egal, was die Babynahrungsindustrie sagt. Weltweit ist übrigens die durchschnittliche Stilldauer 4,5 Jahre!
1. Vor der Geburt: Such bitte eine gute Hebamme! Diese ist immens wichtig und kann dir viele gute Stilltips geben. Deshalb bitte immer vorher treffen und genau nachfragen, ob sie sich mit Stillen auskennt/selber gestillt hat. Bei Zweifeln lieber jemand anderen aussuchen, da nicht jede Hebamme kompetent ist!
Keinen BH tragen, um die Brustwarzen durch den Kontakt mit dem rauen Stoff der Kleidung abzuhärten, keine Seife im Bereich der Brustwarzen benutzen wegen einer körpereigenen schützenden Substanz. Man kann trotz Hohl-, Flach- oder Schlupfwarzen stillen, in schweren Fällen gibt es Brustwarzenformer.
Nach der Geburt: so früh wie möglich anlegen und so oft wie möglich anlegen! Der Saugreflex des Babys ist in den ersten 20 – 30 min. am stärksten. Bis zum Milcheinschuss sehr oft anlegen! Bitte gib dem Kind keine Flasche mit Tee oder Glukose, es wird nicht verhungern, wenn es keinen erhält, aber du beugst einer Saugverwirrung vor!! Erstmal keinen Schnuller geben!
Saugverwirrung = Das Brusttrinken erfordert eine andere Saugtechnik als das Saugen aus der Flasche. Durch das Verwenden von Flaschensaugern bzw. Schnullern wird unter Umständen das Brusttrinken nicht korrekt "erlernt", vielleicht sogar wieder "verlernt", vor allem wenn diese Sauger zu Beginn der Stillbeziehung verwendet werden. Tendenziell bevorzugen Babys, die beide Saugtechniken beherrschen, die Flasche, weil sie so leichter an die Milch kommen. Manchmal verweigern Babys die Brust, wenn sie die Flasche erstmal kennengelernt haben, außerdem kann es so leichter zu wunden Brustwarzen kommen, da sie nicht gelernt haben, korrekt an der Brust zu saugen.
Stillmythen:
- Babys brauchen 2 h Pause zwischen 2 Stillmahlzeiten – FALSCH! Dies ist inzwischen widerlegt, am besten ist es, das Baby trinkt dann, wenn es das fordert, also nach Bedarf! Sein Magen hat dadurch keine Probleme
- Blähungen gibt es bei Flaschenkindern genau wie bei Stillkindern. Die meisten Kinder reagieren nicht auf die Kost der Mutter! Deshalb alles mal vorsichtig probieren.
- kein Kind schläft eher/länger durch, weil es abends mit einer Flasche abgefüllt wird, das Durchschlafen hat etwas mit Reife zu tun und kommt unabhängig von der Nahrung!
Tips:
Viel trinken, ca. 3 - 4 Liter (max. 3 Tassen Stilltee), aber nicht zu viel; nährstoffreich essen, dann ist die Milch gehaltvoller; kein Salbei und Pfefferminz, da abstillend; eine Stillgruppe suchen, sich viel mit anderen Stillenden umgeben, gemeinsam klappt alles viel besser und man hält die manchmal schwierige Anfangszeit durch und traut sich in die Öffentlichkeit; viel Ruhe am Anfang-> das ist der Job des Partners, diese Ruhe zu beschaffen!
Muttermilch hat übrigens genug Eisen, auch nach dem 6. Monat – es wird vom Körper viel besser aufgenommen als das Eisen in Flaschenmilch/ Fleisch. Bei der Arbeit stehen dir Stillpausen zu (eine Stunde täglich bezahlte Freistellung!) und es gibt für fast jedes medizinische Problem stillfreundliche Medikamente!
2. Problembehandlung - bitte nur bei Problemen lesen!:
- Brust sehr hart beim Stilleinschuss/ Milch zu langsam: Warme Kompresse/ Dusche vorm Stillen, Massage
- Schmerzen beim Anlegen: wenn es beim Anlegen schmerzt, ist das in den meisten Fällen ein Zeichen dafür, dass das Baby nicht richtig angelegt wird! Dann bitte das Baby noch mal lösen und richtig anlegen, sonst gibt es wunde Brustwarzen. Ein leichter Schmerz in den ersten Tagen ist normal, da die Brustwarze sich ans Stillen gewöhnen muss.
- nicht genug Milch: die meisten Frauen haben genug Milch! Nicht immer hat das Baby Hunger, wenn es schreit, sondern möchte nur Aufmerksamkeit, Saugbedürfnis stillen, oö! Allerdings will das Baby an manchen Tagen mehr als vorher (Entwicklungssprung, Wachstumsschub, wenn man vorher zugefüttert hat). Tips für Milchmenge steigern: Dies geschieht durch vermehrte Nachfrage, also anlegen, anlegen, anlegen! (Prinzip von Angebot – Nachfrage: je mehr Nachfrage, desto größer ist das Angebot). Hilfreich dabei: Stillöl, viel trinken, dabei max. 3 Tassen Stilltee/Tag, Glas Sekt, BH weglassen, ruhig bleiben und sich nicht stressen lassen; nicht hungern, nährstoffreich essen; NICHT zufüttern!; kein Schnuller; beide Brüste pro Mahlzeit;
- bei wunden Brustwarzen: Luft und Sonne, Rotlicht, schwarzen Teebeutel auflegen (gekocht und erkaltet), Wolle+Seide-Stilleinlagen verwenden, reines Wollfett als Salbe, Muttermilch auf die Brustwarze -> meist liegt es übrigens daran, dass das Baby nicht richtig angelegt wird! Bitte dann das richtige Anlegen zeigen lassen! Stillposition öfters wechseln beim Stillen. Nicht das Baby von der Brust ziehen, sondern erst mit dem Finger das Vakuum unterbrechen, das zwischen Brust und Baby entsteht.
- Milchstau: Umschläge mit Retterspitz (Apotheke), Brustwarze aussparen; gut kühlen mit kalten Waschlappen, kalten Kohlblättern, Quark etc.; BH weglassen, Kind mit dem Kinn in Richtung der entzündeten Stelle anlegen; Kind trotz Schmerzen viel anlegen, dann löst sich die entzündete Stelle eher; -> Ruhe, häufiges Anlegen, Wärme vor dem Stillen und Kälte nach dem Stillen.
- Milch kommt zu schnell oder zu viel: bitte nicht abpumpen, da dadurch noch mehr Milch gebildet wird! Auffangschalen helfen, Milch ausstreichen, kühlen, Baby öfters aufstoßen lassen, nur an einer Brust trinken lassen.
- große Brust: hilfreich ist ein Stillkissen und die Fußballer-Stillposition. Hierbei liegt das Kind umgekehrt, mit dem Körper unter der Achsel der Mutter, sodass die Beinchen hinter dem Rücken der Mutter sind. (Bilder auf der homepage von Hebamme4u)
- Trinkschwäche des Kindes/ Kind schläft immer ein: aufwecken durch Wickeln zwischendurch, ausziehen, Baby aufrecht halten, Baby ansprechen und versuchen, Augenkontakt herzustellen; Licht dämpfen, da es durch grelles Licht die Augen zumacht; Rücken reiben/ tätscheln, sanftes Fingerspiel, Radfahren mit den Beinen des Babys, kühles Tuch auf Stirn und Wangen, Lippen umkreisen mit der Fingerspitze, Wirbelsäule mit dem Finger hinaufwandern, Hände und Füße leicht reiben, etwas Muttermilch auf die Lippen des Babys tropfen lassen, Brustwechsel, wenn das Saugen nachlässt, aufstoßen lassen zwischendurch, Stillposition wechseln.
- Brustentzündung: an der Brust schmerzt eine harte, warme, gerötete/geschwollene Stelle, Fieber, Grippesymptome: Ruhe, viel stillen, vor dem Stillen Wärme, nach dem Stillen Kälte; bei Verschlechterung zum Arzt; Abstillen ist dabei eher kontraproduktiv, es gibt stillfreundliche Medikamente!
Bei Fragen, die hier nicht beantwortet wurden, wende dich an deine Hebamme, an Stillberaterinnen, Stillgruppe Hebamme4u oder die LLL!
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Liebe Grüße,