Mikos schneller Weg ins Leben !Achtung lang!

aniinaaniina

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bearbeitet 8. 11. 2006, 12:18 in Geburtsberichte
Hier der Geburtsbericht von unserem Sohn Miko Alexander, der das Licht der Welt am 08.09.2006 erblickte.

Unser Kleiner Racker machte keine Anstalten von alleine auf die Welt zu kommen.

Die letzten drei Wochen vor der Geburt hatte ich jede Nacht regelmäßige Wehen, so alle 5-7 Minuten. In der ersten Nacht fuhren wir noch ins Krankenhaus, nachdem die Wehen dort aber verschwanden, fuhren wir die folgenden Nächte nicht mehr los, (man ist ja lernfähig), sondern warteten, bis die Wehen nach 4-6 Stunden von selber aufhörten.

Wir waren vor 6 Wochen umgezogen und hatten uns übelst mit dem Renovieren beeilt, nach dem Motto: Mach schnell, damit wir fertig sind, wenn das Baby kommt. Als endlich alles tapeziert, gestrichten, Teppichböden verlegt etc. waren wir heilfroh, so alles fertig, Babyzimmer eingerichtet, Baby kann kommen.

Aber Baby kam nicht. Also alle 2 Tage ins Krankenhaus zum CTG schreiben. Immer alles schön hübsch verweht, aber muttermundunwirksam. Je länger es sich hinzog, desto unruhiger wurde ich. Unsere 5jährige, die immer daraufhin vertröstet wurde, dass das Baby wenn nicht heute, dann Morgen kommt, sagte eines Tages zu mir: „Mama, lass uns lieber sagen, es kommt nächste Woche, dann sind wir nicht so enttäuscht, wenn es Morgen nicht kommt!“ Kinder sind doch sowas von praktisch veranlagt *g*

Bei ET+5 und ET+7 bekam ich im Krankenhaus jeweils einen Wehencocktail, den die Hebamme dort zubereitete. Leider brachte er keine muttermundwirksamen Wehen. Der Befund war aber auch noch nicht geburtsreif. Das Köpfchen war noch abschiebbar, Muttermund fingerdurchlässig.

Zuhause tat ich alles, um endlich Wehen zu bekommen, stundenlange Spaziergänge (der Hund hat sich gefreut), exzessives Baden (die Wasserwerke werden sich gefreut haben), Sex (mein Mann hat sich gefreut). Literweise Himbeerblättertee und Heublumensitzbäder brachten auch nicht das Gewünschte.

Also machten wir einen Termin zur Geburtseinleitung mit Cytotec aus. An ET+13 kamen wir Morgens um 8 Uhr erwartungsvoll in Krankenhaus. Auf dem CTG waren regelmäßige, aber wie immer muttermundunwirksame Wehen. Also gegen 10 Uhr eine halbe Cytotec und dann hübsch zum Spazierengehen geschickt. Als wir wie vereinbart um 13 Uhr wiederkamen sagte die Hebamme, ich sähe ja nicht nach „Aua-Wehen“ aus, das war auch so. Das CTG brachte zwar Wehen alle 3 Minuten aufs Papier und wir warteten gespannt auf den Muttermundbefund. Aber dann die große Enttäuschung, um 14 Uhr nur 0,5 cm weiter geöffnet. Also knappe 1,5 cm.

Die Ärztin bat uns kurze Zeit später in den Kreißsaal, ich dachte erst sie hätte sich in der Patientin geirrt, ich jetzt schon in den Kreißsaal, macht die Scherze? Was sollte ich denn da mit meinem Befund...
Aber ich hatte mich nicht vertan. Sie erklärte uns, dass es bei Zweitgebärenden oft sehr wirksam sei, die Fruchtblase zu öffnen, um die Geburt einzuleiten. Von einer zweiten Gabe Cytotec riet sie ab. Sie tippte auf eine Wehenschwäche, weshalb ich während der letzten Wochen immer regelmäßige Wehen gehabt hätte, die zwar nichts gebracht hätten, aber definitiv keine Vorwehen gewesen seien.

Wir stimmten der Fruchtblasenöffnung zu und sie ging ans Werk. Nach einigen ziependen Versuchen gab sie auf. Die Hebamme solle es bitte mal versuchen, denn außer einigen Tropfen Fructwasser die abgingen, tat sich nichts. Tja und was soll ich sagen, die Hebamme brauchte nur einen Versuch und schon machte es „Platsch“ Das Fruchtwasser ging in mehreren Schwällen ab Es hörte gar nicht mehr auf zu laufen. Das Gefühl ist ist schwer zu beschreiben, es war einfach...naja einfach klatschnass. Hebamme und Ärztin waren überrascht wie viel Fruchtwasser ich hatte.

Ich wurde nochmal ans CTG angeschlossen und sollte mich auf der Seite liegend entspannen. Aber dazu war keien Zeit, endlich kamen die langersehnten „Aua-Wehen“. Die ersten 10 Minuten atmete ich brav und mein Mann massierte mir den Rücken mit so einem kleinen Ball. Ich hatte der Hebamme vorher gesagt, dass ich dazu neige, während der Wehen die Luft anzuhalten, deshalb atmete die Hebammenschülerin, die übrigens während der letzten Wochen immer mit von der Partie gewesen war, fleißig mit mir mit. Bei jeder Wehe kam ein weiterer Schwall Fruchtwasser.

Nach 10 Minuten überkamen mich schlagartig solche Schmerzen, dass mir die Luft wegblieb. Es wurde vorgeschlagen, dass ich mich anders hinlegen sollte, aber in Rückenlage hielt ich es keine 2 Sekunden aus, also auf die andere Seite gedreht. Die Wehen kamen fast ohne Unterbrechung und ich hatte Mühe zu atmen. Mir blieb wie befürchtet die Luft weg. Die Hebammenschülerin zählte also immer laut bis fünf, währenddessen sollte ich einatmen, dann sollte ich auf „Haa“ ausatmen. Irgendwie war aber „Haa“ wohl nicht das richtige, denn wie mein Mann mir später erzählte, ging ich die ganze Tonleiter hoch und runter, von „Hii“ über“ „Huu“ bis hinzu „Jaa“. Aber irgendwann wurden die Schmerzen so übermächtig, dass ich nur noch schrie. Da ich den ganzen Tag kaum gegessen udn getrunken hatte und auch jetzt nur einen halben Schluck Wasser runterbekam, sagte die Ärztin, sie würde mir gerne eine Infusion mit Elektrolytelösung legen. Ich stimmte zu. Die Ärztin fragte mich, ob ich Schmerzmittel wollte und alles in mir schrie ja, aber ich hatte vorgehabt ohne Schmerzmittel zu entbinden, also sagte ich, ich wolle nichts. Bis die Hebame vorschlug, mir etwas homöopathisches zu geben. Da stimmte ich zu. Leider weiß ich nicht, was da verabreicht wurde.

Die Schmerzen waren so stark, dass ich es nicht schafffte zu atmen, ich hörte, wie die Hebammen auf mich einredeten, aber ich verstand nicht was sie sagten. Mein Mann musste quasi alles „übersetzen“. Sie sagten ich müsse atmen, aber ich sagte, ich könne nicht. Doch ich müsse etc. Das ging eine Weile und dann sagte die Hebamme etwas, was mich dazu brachte nochmal ale Kräfte zu mobilisieren. Sie sagte,: „,Ihr Baby bekommt gerade unheimlich Stress, sie müssen jetzt atmen!“ Mein Mann bekam so einen Schlauch mit Sauerstoff in die Hand und hielt ihn mir vors Gesicht und tatsächlich, mit Mühe und Not kam ich wieder in einen halbwegs vernünftigen Atemrhytmus.

Auf einmal spürte ich einen unheimlichen Drang zu Pressen. Ich war völlig überrascht und verunsichert, da ich das von meiner ersten Geburt nicht kannte. Damals hatte ich einen Pudendus Block bekommen und hatte von der Hebamme die Pressanweisungen erhalten, hatte aber außer den Wehenschmerzen nichts gespürt, also keinen Drang zu Pressen gehabt. Also wie gesagt war ich völlig verunsichert, ich war doch erst eine knappe halbe Std. Im Kreissaal. Ich fragt also die Hebamme, ob ich schon Pressen dürfe, da ich das starke Gefühl hätte ich müsse mitschieben. Die Hebamme sagte ja natürlich, ich solle einfach pressen. Ich musste aber noch weitere zwei Mal nachfragen, ob ich wirklich schon dürfe, bis ich mich dann traute mitzupressen, denn man hört ja immer, man darf nicht zu früh Pressen.

Es war eine unglaubliche Erleichterung. Vorher war ich den Wehen so ausgeliefert gewesen, endlich kommte ich selber etwas tun. Es war ein unheimlich elementares Gefühl, zu spüren, wie das Baby sich seinen Weg durch die Geburtswege bahnte. Gleichzeitig dachte ich ich, ich würde am liebsten sterben, nur damit die Schmerzen aufhörten. In dem Moment sagte die Hebamme, sie könne das Köpfchen sehen und mein Mann sagte, er sehe braunes Haar. Ich tastete hinunter und tatsächlich da war das Köpfchen. Ich dachte, wenn das Köpfchen erst mal da ist, geht der Rest von alleine, aber pustekuchen, das schwerste war die Geburt des Körpers. Ich hatte das Gefühl als würde da unten alles aufreißen was irgendwie aufreißen kann. Die Ärztin und die Hebammen packten mich an den beinen und bei jeder Wehe drückten sie mir die Beine an den Körper, dann machten sie die Beien wieder lang und drückten sie dann wieder an, sie nannten es „etwas Gymnastik zu Unterstützung machen“. Und in dem Moment wo gar nichts mehr ging war unser Sohn geboren.

Das Gefühl, das schlagartig aller Schmerz aufhörte kannte ich ja bereits von meiner Tochter und ich war einfach nur erleichtert, dass es vorbei war. Die Ärztin sagte, das sei ja ein Turbostart gewesen und tatsächlich, es war 15:29 Uhr, genau 59 Minuten nachdem die Blase gesprengt worden war. Während unser Kleiner auf meine Brust gelegt wurde und mein Mann mich strahlend ansah, wusste ich, das sich alles gelohnt hatte.

Unser Kleiner war wunderschön, ohne Blut oder Käseschmiere (außer etwas auf dem Haar), wog 3900g, war 55cm groß und hatte einen Kopfumfang von 37,5 cm! Das war kaum zu glauben, hatte doch meine Tochter damals 3030g gewogen bei einer Größe von 49 cm und einem Kopfumfang von 34 cm. Ich bin ja auch nur knappe 1,60 groß.

Das Fruchtwasser lief immer noch und die Ärztin und die Hebammen hatten total nasse Hosen *grins* Die Ärztin meinte, es hätte an der großen Fruchtwassermenge gelegen, dass die Wehen der letzten Wochen nicht den Muttermund getroffen hätte, sondern durchs Fruchtwasser abgebremst worden wären. Ich sagte noch, dass ich jetzt gar nicht den Geburtshocker ausprobiert hätte wie geplant *g*, aber sie meinte, sie hätte mich nicht mehr vom Bett gekriegt, so schnell ging es.

Ich fragte, ob etwas gerissen sei und die Ärztin untersuchte alles und sagte, es sei weder Damm noch Scheidegerissen und es seien auch keine Abschürfungen vorhanden.
Die Plazenta kam auch relativ schnell, nachgeholfen wurde durch zerren und ziehen. Ansehen durften wir sie auch, erinnerte an ein großes Stück Leber *g* Anschließend drückte mir die Hebamme auf den Bauch und es kam weiteres Fruchtwasser und ein großer Schwall Blut.

Nach etwa einer Stunde riefen wir die Familie an und meine Eltern kamen mit meiner Tochter zu uns. Als Elena ihren Bruder sah strahlte sie vor Freude und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich liebe Dich!“. Bei mir dauerte es leider drei Tage, bis ich „richtige“ Muttergefühle entwickelt hatte. Die Schnelligkeit der Geburt hatte mich völlig überfordert. Ich lag im Bett, der Bauch war leer, da lag ein Baby neben mir, mein Baby.

Wenn ich nochmal wählen könnte, dann lieber eine normale 12-Std-Geburt, als eine eingeleitete 1-Std-Geburt. Spontan hatte ich gesagt, niemals wieder eine Geburt. Aber mittlerweile ist alles vergessen. Ich genieße nur noch die Zeit mit meiner fürs erste kompletten kleinen Familie! :grin:

Kommentare

  • PatyPaty

    2,953

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Herzlichen Glückwunsch!
    Das ist ja ein Wonneproppen :bounce02:

    Nach deinem Thread im Geburtsforum warst du ja erst ET +6, wieso die da schon einleiten wollten .:???:

    Ich würde mir nie so früh die Fruchtblase sprengen lassen, denn danach werden die Wehen oft erst so richtig schmerzhaft.
    Komische Wehenschwäche, die dann in 59min ein Kind zur Welt kommen lässt!
    Gut, kann man nicht mehr rückgängig machen.

    Entschuldige diese Komentare gegenüber der Vorgehensweise der Geburtshelfer, aber das kam mir so in den Sinn beim lesen.

    Zum Glück ist alles gutgelaufen :grin:

    Schönes weiteres Kennenlernen!
  • NukaNuka

    2,340

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    :bounce02:
    Dein Sproß ist aber eine große Persönlichkeit!
    Glückwunsch!
  • schein70schein70

    243

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Hallo,

    toller Bericht, fesselnt geschrieben. Bei einer Geburt von 59 Minuten hätte ich dann doch noch zeit bis ins KH.

    Ich lass mich überraschen.

    Viel Glück und auch Spaß mit eurer Maus.

    LG Carmen
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