Trauerarbeit mit Kindern

PinoahPinoah

1,977

bearbeitet 17. 09. 2011, 19:10 in Plauderecke
Wir haben vor ungefähr 2 Wochen unseren engsten Familienfreund durch einen tragischen und sinnlosen Unfall verloren. Die ersten Tage des Schocks und der Unfassbarkeit liegen hinter uns. Vor uns liegt am Freitag die Beerdigung. Es tut allerdings gut, nach lange 3 Wochen endlich nochmal an einen Punkt des offiziellen Abschiedes anzukommen.
Bisher haben wir es unserer Großen, die auch eine freundschaftl. Beziehung zu unserem Freund hatte, noch nichts erzählt. Wir haben am Sonntag vor Schulstart von seinem Tod erfahren und beschlossen, dass sie erstmal wieder in der Schule ankommen soll, bevor wir mit ihr reden. Ich kannte da ihre neue Lehrerin auch noch gar nicht. Nun haben wir das Gespräch auf das kommende Wochende verlegt, weil genau ein Tag nach der Beerdigung bei uns das alljährliche Stadtfest stattfindet und meine Tochter dort Ihren großen Auftritt mit der Showtanzgruppe hat. Die Angst, dass sie es per Zufall anderswo erfährt sitzt uns im Nacken. Aber wir haben das jetzt so entschieden.
Nun meine Frage: Wer von Euch hat Erfahrungen über Trauergespräche mit Kindern, wenn eine nahestehende Person gestorben ist? Kennt jemand von Euch auch vllt. ein gutes Buch dazu?
Ich fühle mich da gerade ein wenig unbeholfen, weil ich emotional selbst stark involviert bin. Deshalb bin ich echt über jeden Hinweis von Euch dankbar.

Kommentare

  • tesorotesoro

    4,431

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Mein Beileid. So etwas ist so schlimm... :sad:


    Ich glaube, ehrlich und geradeheraus ist am Besten. Sie soll ruhig merken, dass du sehr traurig bist! Dann weiß sie auch direkt, dass sie selber auch traurig sein darf, also dass das in Ordnung ist.

    Aber wäre es nicht besser, sie auf die Beerdigung mitzunehmen, damit sie sehen und begreifen kann, was da passiert? Das wäre vielleicht zur Verarbeitung sehr gut, sonst hat sie hinterher noch falsche Vorstellungen im Kopf und macht sich irgendwelche schräge Gedanken...

    Ich denke, Du wirst überrascht sein, wie gut und natürlich Kinder mit Trauer umgehen. Für Sie ist das ganz etwas anderes, als für uns.

    Ich würds nicht weiter aufschieben. Die Gelegenheit, nochmal einen Schowtanz mitzumachen, wird wiederkommen, die Gelegenheit, von dem Freund mit der ganzen Familie zusammen Abschied zu nehmen, nicht mehr.
    :sad:

    Nach meiner ersten Fehlgeburt, die Adrian volle Pulle mitbekommen hat, weil er daheim war, als es passierte (Er wusste auch, dass ich ein Baby im Bauch hatte), haben wir ihn auch mit auf die improvisierte "Beerdigung" genommen. Er hat einfach gefragt: Warum ist Mama traurig? Und dann hab ich ihm alles erklärt. Das war die erste von 1000 Fragen zum Thema, die folgten.... :shock:


    Ich würde ihr einfach sagen: Er ist tot, die Informatiojn sacken lassen und auf ihre Fragen warten. Sie wird sich wahrscheinlich genau die Information erfragen, die die vertragen und verarbeiten kann.
  • awaawa

    763

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Liebe Pinoah,

    ihr habt meine Anteilnahme. Ich neige dazu mir immer vorzustellen wie es mir gehen würde, wenn uns so etwas passiert. Das tue ich nicht bewusst, es kommt einfach so. :sad: Mir ginge es besch***en, denn ich liebe unsere besten Freunde sehr, sie sind schon wie Familie für mich. Es tut mir so leid, dass ihr nun euren Freund gehen lassen müsst.
    Meine Eltern haben mich auf Beerdigungen immer mitgenommen (sofern ich einen persönlichen Bezug zu den Menschen hatte). Das war auch gut so, gut für mich, denn (sehr) junge Kinder bekommen dort zwar die Traurigkeit mit, sind aber vom Geschehen nicht so überfordert. Es ist einfach nur etwas das zum Leben (der Erwachsenen) dazu gehört. Es kommen Fragen, ja, aber das passiert ja in jeder neuen Situation. Ich sehe es wie tesoro: es ist ganz wichtig, dass Kinder daran teilhaben, Abschied-nehmen auch beobachten können und für sich selbst davon ein Bild haben. Dann ist es nicht mehr so abstrakt und macht weniger Sorge/Angst. Bücher können euch später evtl. beim Fragen beantworten helfen, aber ich glaube wenn man aus seinem Herzen heraus kindgerecht spricht, dann hat man auch einen guten Weg gewählt.
    Mir wurde nie etwas durch Themenbücher erklärt, daher kann ich dir da (noch) keine Titel nennen.
    Ich würde die Kinder wie gesagt einweihen, es gehört zum Leben dazu und dann schwinden auch deine Bedenken, dass sie es anderweitig erfährt (was schon irgendwie schlimm wäre), denn diese Sorge brauchst du neben der Trauer doch nun wirklich nicht.

    Ich drück dich, wenn du magst! :tröst:
  • Susanne67Susanne67

    4,797

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Mir schwebt gerade ein ganz anderer gedanke durch den Kopf. Meint ihr nicht, dass sie es evenntuell als unfair empfinnden wird, wenn sie erst nach der Beerdigung vom Tod erfährt? Meiner siebenjährigen wäre es durchaus zuzumuten, sie zur Bbeedrogung mitzunehmen, um Abschied nehmen zu können und zu begriefen, was passiert ist. Wenn ihr eurem Kind es erst nach der Beisetzung sagt, nehmt iihr uihr die Mööglchkeit das Unfassbare auch nur ansatzweise zu begreifen und sie könnte es Euch übelnehmen, auch wenn ihr in bester Absicht gehandelt habt.
  • LionLion

    1,196

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Mein Beileid liebe Pinoah. :tröst:

    Ich überlege grad ob es nicht besser wäre es ihr vor der Beerdigung zu sagen, dann könnte sie entscheiden ob sie mitkommen möchte oder nicht... wenn die Beerdigung aber vorbei ist, hat sie keine Möglichkeit mehr... mit 7 Jahren kann man ihr es schon zumuten. Anders könnte es sein das sie es euch "übel" nimmt, weil sie sich nicht verabschieden konnte - ist nur so mein Gedanke.
    Als unsere Tochter damals gestorben ist, war die Große 3 und Sohnemann fast 2 Jahre und beide waren bei der Beerdigung dabei.
  • PinoahPinoah

    1,977

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Ja, vermutlich habt Ihr alle recht damit, dass ich meiner Tochter erzählen sollte, was passiert ist.
    Wisst Ihr, meine Tochter hat gerade noch eine weitere Verarbeitungsbaustelle. Ihre Großmutter väterlicherseits hat Krebs und wird heute operiert. Mit dieser Situation gehen wir total offen um. Das Thema Tod ist dabei bisher nicht angeschnitten worden. Ich spüre dennoch, wie tief bewegt sie ist.
    Die Entscheidung, meine Tochter nicht zur Beerdigung mitzunehmen, hat (leider) auch etwas egoistische Gründe. Es besteht einfach die Möglichkeit, dass meine Tochter, sobald sie sich unter den vielen Menschen unwohl fühlen würde; ihr irgendwas nicht geheuer wäre, mit unbeirrter Bestimmtheit von mir fordern würde, mit Ihr den Friedhof zu verlassen. Das würde sie notfalls mit klammern, schreien, etc. einfordern, würde nicht mit sich reden lassen und andere Personen hätten in solch einem Moment eh keine Chance, an sie heranzukommen. Ich mag nicht den Teufel an die Wand malen; ich habe ähnliche Situationen mit ihr in der Vergangenheit einfach öfter erlebt. Und bisher war es für mich auch keine Hürde, entsprechend darauf einzugehen. Ich gehe wirklich gern auf die Bedürfnisse meiner Kinder ein und stelle meine ggf. hintenan. Nur DIESES MAL ist es für mich einfach total wichtig, diesen offiziellen Abschied ganz und gar miterleben zu dürfen, gerade weil es sich um einen so plötzlichen und tragischen Todesfall handelt. Mein Partner und ich hatten beschlossen, mit unserer Großen sehr zeitnah nach der Beerdigung mit ihr zusammen zum Grab zu gehen und mit Ihr eine kleine Privatzeremonie zu improvisieren. Vllt. kommen auch noch andere Freunde von uns mit.
    Ihr habt wirklich recht, hinter dieser Tanzaufführung sollte ich mich wirklich nicht verstecken.
    Ich danke Euch für Eure ehrlichen Worte und Anregungen.

    P.S. Das ist doch mal wieder typisch Sozialpädagoge:"Gibt es über dieses Thema ein Buch?" ;-) *mitderHandaufdieStirnklatsch* Natürlich machen es einfache persönliche Worte auch. :fungif52:
  • Annette2Annette2

    440

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Ja gibt es:"Erzähl mir was vom Sterben" von Gerlinde Unverzagt. Kann ein persönliches Gespräch keinesfalls ersetzen (ist ja auch für die Eltern gedacht), aber ich finde es einfach als kleinen Wegweiser sehr hilfreich.

    Liebe Grüße
  • tesorotesoro

    4,431

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Und was ist damit: Wäre es nicht möglich, die Tochter auf der beerdigung von jemand anders "begleiten" zu lassen? Also z.B. Oma / Opa oder eine andere Vertrauensperson. Dann könntet ihr euch auf euch konzentrieren und sie wäre trotzdem in guten Händen.

    Kene Ahnung, wie da die Ressourcen sind. Bei uns würde so etwas funktionieren, was nicht für jeden so sein muss.
  • Susanne67Susanne67

    4,797

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Ich verstehe Deine Argumentation und kann Dein "eoistisches" bedürfnis absolut nachvollziehen. Ich frage mich nur, ob eine Privatzeremonie die eigentliche Beeridgung errsetzen kann. Das offene Grab zu sehen, den Sarg, der hinabgelassen wird, das ist etwas anderes, als an einem Haufen Kränze zu stehen und sich dann vorstellen zu müssen, dass da unten drunter ein geliebter mensch liegt. Erst recht, wenn man diese ganze Phase zwischen Todesnachricht und beerdigung nicht mitbekommen hat, die ja auch schon zu Bewältigung beiträgt. So eine beerdigung ist ja auch ein Prozess des Loslassens, iich persönlich hätte an einem geschklossenen Grab meine Schwierigkeiten, das geschehene überhaaupt zu erfassen. Und einer siebenjährigen jkann man eine Beerdigung schon durchaus zu muten. ICH FINDE DEN ViorschlAG gut, mit der Betreuung zu beauftragen. So käme jeder zu seinem recht.
  • awaawa

    763

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Hm, ich hab grad überlegt ob du deiner Tochter nicht doch vor der Beerdigung alles erzählst, aber eben wirklich alles, also auch was dort passieren wird, wie es sich anfühlt, dass viele Menschen dort sein werden etc. Auch, dass du Befürchtungen hast sie mitzunehmen, weil es ihr vll zu viel werden könnte. Kindlich sprechen, in vielen Bildern und so. Eventuell kann sie dir dann selbst deutlich mitteilen ob sie mit will oder nicht.
  • MäusleMäusle

    7,471

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    die selbe Idee kam mir beim Lesen auch. Erzählen würd ich es auf jeden Fall vorher! Und ich würde sie auch selbst entscheiden lassen, ob sie mit will. Evtl dann wirklich noch jemand mitnehmen, der evtl mit ihr raus geht. Ich persönlich war in dem Alter schon reif genug für sowas, ich wäre wirklich böse gewesen, hätte ich in so einem Fall nicht Abschied nehmen dürfen. Zumindest wär ich nachträglich sehr böse gewesen.
    Du selbst kannst wohl am besten Entscheiden, was ihr gut tut. Aber schone sie nicht zu sehr, evtl ist sie dann noch sauer weil ihr es nicht vorher erzählt habt.
    Du wirst das schon machen! Auch ohne irgendein Buch. Ich seh das wie die anderen, du wirst die richtigen Worte finden!
  • PinoahPinoah

    1,977

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Mmmmh...ich denke noch immer über Eure Worte nach. Und Ihr habt ja auch recht mit dem, was Ihr sagt.
    In ganz besonderen Situationen muss ich bei meiner Tochter, aufgrund spezieller Wesensmerkmale, die leider in Richtung Selbstregulationsstörung gehen, andere Maßstäbe ansetzen.
    Verdammt, mir läuft die Zeit davon... :scratch.:
  • MäusleMäusle

    7,471

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    und wenn du´s ihr jetzt erstmal erzählst?! und dann entscheidest (aufgrund Reaktion) was du ihr noch weiter zumuten kannst? Ein Schritt nach dem anderen ist auch für dich sicher besser!
  • Flo1Flo1

    611

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Erstmal mein Beileid :tröst:
    Ich finde die Idee von Mäusle gar nicht schlecht.
    Ich habe meiner Tochter als voriges Jahr mein Onkel gestorben ist es ihr am nächsten Tag nach der Schule erzählt.Sie konnte auch frei entscheiden ob sie mit wollte zur Beerdigung. Nun ist das bei euch auch ne Besondere Situation versteh ich auch. Aber ich denke wenigstens erzählten vor der Beerdigung wär o.k. Wenn du sie nicht mitnehmen möchtest aus den Besonderen Gründen dann kannste es ja mit der "Privat"Trauerfeier machen. ABER sie erfäht dann nicht erst davon wenn alles vorbei ist, denke schon das sie euch das übel nehmen würde.

    Drück Dir die Daumen das du den richtigen Weg findest!!!
    LG Jeannette
  • awaawa

    763

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Pinoah, falls du erzählen magst: wie habt ihr es denn gehandhabt? Wie geht/ging deine Tochter damit um und wie geht es euch?
  • PinoahPinoah

    1,977

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Ich bin schon wieder so im Arbeitsstress, dass ich zur Zeit wenig zum Schreiben komme. :oops: :traurig41: Sorry.
    Wir haben mit meiner Tochter dann doch erst mach der Beerdigung über den Tod unseres Freundes gesprochen. Das habe ich aus dem Bauchgefühl heraus so gemacht und es fühlte sich alles ziemlich stimmig an. Es gab Tränen, viele Fragen, wunderschöne Fantasien über Wiedergeburt. Natürlich wurden wir auch gefragt, warum wir ihr es erst jetzt erzählen. Diese Frage klang allerdings nicht anklagend, sondern verwundert. Und auch das konnten wir erklären und besprechen. Dann malte sie ein kunterbuntes Abschiedsbild und wir haben es gemeinsam zum Grab gebracht und uns das Meer von Blumengestecken angesehen und gemeinsam gelesen, von wem die Blumen waren.
    Auf dem Heimweg meinte meine Tochter noch zu mir: "Mama,wenn das nächste Mal einer stirbt, dann will ich auch mitkommen zur Beerdigung. Das muss ich mir unbedingt ansehen. Wer ist denn der Nächste, der stirbt?" :scratch.: :scratch.: :scratch.:
  • Flo1Flo1

    611

    bearbeitet 30. 11. -1, 01:00
    Hallo Pinoah,

    weiß nicht wie ich es so richig ausdrücken soll, aber ich wollte dir sagen das ich es schön finde das ihr für Euch den richtigen Weg gefunden habt.

    LG Jeannette
Hey! 1 Frage - 100 Antworten!
Im BabyForum kannst du dich einfach, sicher und anonym mit (werdenden) Mamas und Papas in deiner Nähe austauschen. Registriere dich jetzt, um alle Bereiche zu sehen und mitzuplaudern:Kostenlos registrieren

Hey & Hallo im Forum!

Neu hier?
Tritt unserer Community bei um alle Bereiche zu sehen und (werdende) Eltern kennenzulernen!

Aktionen

Ratgeber

Ratgeber - Baby und Eltern beim Kuscheln

Social Media & Apps

Registrieren im Forum