Meine erste Geburt (1995), etwas länger

raluiralui

20

bearbeitet 5. 05. 2006, 11:48 in Geburtsberichte
Ob wohl meine Geburten schon etwas her sind, möchte auch ich gerne davon berichten. Dazu muss ich ein wenig ausholen...

Meine erste Schwangerschaft war ungeplant und sehr überraschend für mich. Ich war damals 20 Jahre, hatte mich vor kurzem von meinem Freund getrennt und der Termin beim Frauenarzt war auch nur für die 1/2 jährliche Untersuchung wegen der Anti-Baby-Pille. Zeitgleich wurde auch die Krebsvorsorge gemacht (liegt bei mir leider in der Familie).

Als der Arzt mir dann gesagt hat das ich schwanger bin, dachte ich der will mich auf den Arm nehmen. Schließlich hatte ich regelmäßig meine Tage bekommen und auch die Pille immer genommen. Ich wußte meine Gefühle gar nicht einzuordnen, denn ich wollte nie Kinder haben, das kam in meiner Lebensplanung gar nicht vor. Doch dann hat der Arzt Ultraschall gemacht um zu sehen wie weit ich wohl bin und das war dann so unbeschreiblich für mich, denn auf diesem kleinen Bildschirm sah ich ein richtiges kleines Baby und das Herzchen schlug munter.

Wie sich rausstellte war ich schon ende des vierten Monats und alles schien ganz normal zu sein. Meine Monatsblutungen habe ich noch bis in den sechsten Monat gehabt und einen Bauch gekam ich auch erst ende sechsten Monat. Es war eine herrliche Schwangerschaft, nie wieder in meinem Leben habe ich mich so wohl gefühlt wie in dieser Zeit. Von allen Seiten bekam ich Komplimente, wie gut und glücklich ich doch aussah. Und obwohl ich weiterhin allein war und meine Eltern/und mein Umfeld nicht alle so begeistert waren. Ich war mir sicher und rund um glücklich.

Nachdem ich dann 10 Tage über den ET war hat mein Arzt mich in die Klinik überwiesen. Dort sollte die Geburt dann eingeleitet werden. Erst habe ich solche Tabletten für den Muttermund eingeführt bekommen, das fand ich sehr unangenehm und gebracht hat es auch nichts. Dann immer wieder Wehentropf, aber nichts passierte. Drei Tage lang haben die Ärzte und Hebammen versucht die Geburt einzuleiten und Wehen auszulösen, nichts hat funktioniert und ich fühle mich immer schlechter. Meine Eltern kamen mich zwar täglich besuchen, aber ich fühlte mich doch sehr allein.

Am dritten Tag in der Klinik kam eine ganz liebe Hebamme zu mir ins Zimmer. Die sah genauso aus wie ich mir immer klischeehaft eine vorgestellt hatte. Ziemlich kräftig gebaut, die Haare hochgesteckt und super lieb. Sie meinte das im Kreissaal der Zeit nichts los sei und es wäre doch gelacht, wenn sie meinem Kind nicht auf die Sprünge helfen könnte. Ich bin dann mit ihr in den Kreissaal, dort hatte sie schon eine warme Wanne für mich eingelassen, gemütliches Licht geschaffen und es lief angenehme Musik. Sie selber hat sich auf einen Stuhl neben der Wanne gesetzt und dann haben wir uns unterhalten. Sie hat mir Mut gemacht und gut zugeredet, denn mittlerweile war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob das alles so eine gute Entscheidung war. Doch sie hat es geschafft, mir wieder Mut gemacht und als ich dann aus der Wanne gestiegen war ging es auch gleich los...

Und wie! Von einer Sekunde auf die andere hatte ich endlich Wehen, aber was für welche! Ich dachte teilweise ich muss sterben. Schlagartig diese Hammerwehen und das gleich alle paar Minuten, das war wirklich sehr heftig. Aber ich hatte ja diese liebe Hebamme an meiner Seite und mit ihr zusammen konnte ich mich dann wieder fangen, mich auf das Atmen konzentrieren- doch dann bekam die Hebamme einen Anruf - privater Notfall bei ihr und sie musste sofort weg. Na, toll! Nicht nur das ich mitten in bei der Geburt einen Hebammen Wechsel hatte, nein auf einmal meinten zig Frauen ihre Babys bekommen zu müssen und ich kam mir einsam und verlassen vor. Klar man hat regelmäßig nach mir gesehen, aber die meiste Zeit lag ich da ganz allein. Und das Stunden lange extreme Geschrei einer Frau im Kreissaal nebenan hat mich fast wahnsinnig gemacht.

Nach einigen Stunden war ich ziemlich fertig und musste mich vor Anstrengung übergeben, so das mir die PDA empfohlen wurde. Ich habe sie dankbar angenommen. Es war wirklich sehr angenehm die Wehen auf dem CTG zu sehen, sie aber nicht mehr zu spüren und dann bin ich eingeschlafen. Endlich etwas Ruhe.
Geweckt wurde ich dann nicht von Wehen, sondern von einem aufgeregtem Narkosearzt und der Hebamme. Er telefonierte wohl mit dem Oberarzt und die Hebamme war gerade dabei meinen Oberkörper zu waschen. Erst da habe ich gesehen, das ich wohl alles vollgespuckt hatte und der Narkosearzt meinte, das ich ihm einen richtigen Schrecken eingejagt hätte. Ich fühlte mich ziemlich erschlagen und hatte plötzlich hohes Fieber.

Ehe ich wirklich wach war, waren mehrere Ärzte um mich herum, einer redete mit mir über einem Kaiserschnitt, während ein anderer zwischen meinen Beinen saß und irgendetwas gemacht hat. Ich habe ja nichts gespürt untenrum. Aufeinmal totale Unruhe, Hektik, "los, los, das Kind muss raus, sofort", "zu spät für Kaiserschnitt", "schnell, schnell Dr. XX soll kommen"... Das war für mich alles wie ein schlechter Film, in dem ich nur Zuschauer war. Ich kam mir hilflos und wieder allein vor. Dann haben sie an mir gezerrt und gezogen, einer lag auf meinem Bauch und dann war er endlich draußen. Mein Kleiner. Aber ich habe ihn nicht gesehen, nur gehört- das war wunderschön. Aber ich wollte ihn umbedingt sehen, ich verstand gar nicht, warum sie ihn mir nicht gebracht haben. Nach einigen Minuten hat eine Schwester ihn mir dann gezeigt und gesagt das mit ihm alles OK sein. Dann hat sie ihn in so einen kleinen Wagen gelegt und ich konnte ihn noch immer mit anfassen. Ich war sehr traurig..

Da bemerkte ich erst das da noch immer ein Arzt zwischen meinen Beinen beschäftigt war und ein weiterer ihm Anweisungen gab. Sie haben mich genäht, was wohl nicht so einfach war, denn ich wurde wegen dieser Saugglocke geschnitten und bin dann noch weiter gerissen. Dabei bin ich wieder eingeschlafen (oder Ohnmacht, ich weiß es nicht) das Fiber war wohl noch ziemlich hoch.

Ich bin dann erst wieder in meinem Zimmer aufgewacht und habe sehr lange gebraucht um wieder auf die Beine zu kommen. Ich durfte nicht stillen, da ich Medikamente bekommen habe. Ich hatte noch drei Tage Fieber und konnte erst nach 14 Tagen aus dem Krankenhaus nach Hause. Ich war viel zu jung und unerfahren, heute würde ich das alles nicht mehr so mit mir machen lassen.

So das ist jetzt doch ziemlich lang geworden hier, ich hoffe ihr seid nicht eingeschlafen. Ich habe noch nie jemanden so ausführlich von dieser Geburt erzählt, tat richtig gut das aufzuschreiben.

lieben Gruß

Nicole

P:S: Fast vergessen, von dem Moment, wo ich aus der Wanne gestiegen bin, bis zu dem Zeitpunkt, wo mein Sohn auf der Welt war, sind 19 Stunden vergangen.

Kommentare

  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Na, das herzliche Glückwunsch kommt ja dann ein paar Jahre zu spät, aber trotzdem HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH. :biggrin:

    Schön das Du Dich uns mit Deinem Erlebniss anvertraut hast!

    So eine Hebamme hatte ich auch, hat mir die Power gegeben wenn ich sie brauchte und mütterliche Wärme wenn das von Nöten war.
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