Am Morgen des Geburtstages unseres Philipps konnte ich mir noch nicht vorstellen, dass er am Abend bereits in meinen Armen liegen sollte. Der Kleine hatte es allem Anschein nach nicht eilig, und obwohl er bereits 5 Tage über Termin war, tat sich einfach nichts. Da es Samstag war musste ich diesmal zur Vorsorgeuntersuchung nicht zu meinem Frauenarzt, sondern sollte das CTG in der Klinik machen lassen. Um elf Uhr hatte ich den Termin im Krankenhaus, und ich wurde auch gleich ans CTG angeschlossen. Nichts, nichts und wieder nichts! In Gedanken war ich eigentlich schon wieder draussen und auf dem Weg in die Stadt, wo ich mich mit meinem Mann und unserer kleinen Tochter zum Mittagessen verabredet hatte. Nach der Untersuchung kam die Ärztin zu mir, und meinte: "Haben Sie heute noch was vor?" Ich: "Äh, nichts bestimmtes. Wieso?" Sie: "Ach, heute ist hier sooo wenig los - wenn Sie wollen, leiten wir ein!" :shock: "Jetzt gleich??" "Ihr Sohn liegt schon in den Startlöchern, der Muttermund ist bereits 2cm offen, alles was fehlt sind Wehen! Also - wieso nicht?" "Wieso nicht...!" Ich habe also Christian angerufen, dass er mein Köfferchen von zu Hause holen und Lina zur Oma bringen sollte. Als er um 14 Uhr in der Klinik ankam, lag ich bereits am Wehentropf. Mein Handtäschchen, Sonnenbrille und die hohen Schühchen lagen neben dem Bett - irgendwie sah ich nicht nach Entbindung aus und fühlte mich auch gar nicht danach. Die Wehen kamen, aber irgendwie ließen sie, was Dauer und Stärke anging, zu wünschen übrig. Gegen 16 Uhr meinte die Hebamme, sie würde mich jetzt noch mal untersuchen, aber es wäre wohl das sinnvollste, die Einleitung abzubrechen. Doch bei der Untersuchung bekam ich eine Wehe, und die Fruchtblase platzte. Jetzt MUSSTE es also irgendie weitergehen. Da ich zuvor nach der Möglichkeit einer PDA trotz Einleitens fragte, meinte die Hebamme, jetzt sei wohl der geeignete Zeitpunkt für die PDA. Obwohl die Schmerzen noch nicht wirklich schlimm waren siegte die Angst vor dem, was da noch kommen könnte (im Nebenraum schrie eine werdende Mama seit einer knappen Stunde, dass ich Gänsehaut bekam...), und gleich darauf kam der Anästhesist, um mir den Zugang zu legen. Ca eine Stunde später bekam ich plötzlich Wehen, und zwar mit einer Heftigkeit, dass mir richtig übel wurde. Als ich dann auch noch feststellte, dass mein Rücken ganz nass war, wurde klar, dass der Zugang verrutscht war und mir das Medikament nicht IM sondern AM Rücken herunterlief. Jetzt konnte ich wählen: entweder den Wehentropf runterdrehen und neue PDA legen oder so weitermachen. Da ich Angst hatte, die eh ungünstigen Wehen könnten sich ganz verabschieden und die Geburt würde sich unnötig lang hinziehen, meinte ich, ich schaffe es auch ohne PDA. Gegen 18 Uhr meinte dann die Hebamme ganz erfreut:"Es tut sich was! Versuchen Sie, bei der nächsten Wehe zu pressen!" Ich war fast erstaunt darüber, dass es jetzt richtig losgehen sollte! Die nächste Stunde allerdings verfluchte ich den Anästhesisten (er kam ins Zimmer um zu sehen, wie es mir ginge, wurde aber von meiner Hebamme vehement des Raumes verwiesen :biggrin: ), und haderte ich lautstark mit der Entscheidung, nicht einfach zum Mittagessen gegangen zu sein. Als mir dann auch noch der Damm geschnitten wurde, und mein Mann entrüstet rief: "Buäh - IGITT!" hatte ich eigentlich die Nase ziemlich voll und als ich ihn böse anfunkelte und ganz vergass zu pressen, stammelte er: "Oh, entschuldige bitte!" :roll: Kurz vor 19 Uhr hieß es dann, man müsse wohl eine Saugglocke zu Hilfe nehmen. Irgendwie setzte das nochmal alle Kräfte in mir frei - und mit 5 mal pressen während der nächsten Wehe kam er dann!!! Nachdem Lina von Anfang so ganz der Papa war, erkannte ich mich irgendwie sofort in unserem Nesthäkchen: braune Haare, groß und kräftig (56cm und 4080g)! Ich war sofort hin und weg und völlig verliebt in den kleinen Mann! Er war hellwach und topfit und wurde mir gleich auf die Brust gelegt. Christian schnitt die Nabelschnur durch und eine Minute später kam auch schon die Plazenta. Die Schmerzen der letzten Stunde waren schon so gut wie vergessen. Ich war so stolz, es ohne PDA geschafft zu haben, so froh, dass es unserem Sohn so gut ging, dass es mit der Einleitung trotz eines ungünstigen Anfangs noch so gut geklappt hat. Im Nachhinein hat mir meine Nachsorgehebi erzählt, dass ich wohl knapp an einem Kaiserschnitt vorbei bin: schwache Wehen durch Einleitung und geplatzte Fruchtblase seien wohl nicht die Idealvorraussetzungen für eine normale Entbindung! Rückblickend bin ich echt froh über diese doch richtig schnelle Geburt und glücklich über den gewählten Weg. Und Philipp ist bisher ein richtig ruhiges, ausgeglichenes Baby, das kaum weint und uns eher Ruhe und ein bisschen Besinnlichkeit gebracht hat. Aber wir gehen fest davon aus, dass er schnell lernen wird, seine Stimme richtig zu gebrauchen ;-)
Kommentare
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Das ist ja toll, dass der Kleine so ruhig ist. Klingt ja doch eher so, als wäre die Geburt etwas stressig gewesen, aber wohl nicht für Euren Lütten
Schöne Kennenlernzeit weiterhin!
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